Kürzlich hatte ich ein KI-Erlebnis der besonderen Art. Ich recherchierte gerade für einen Essay über Andreas Oettel, den Manager und Gründer des ungemein erfolgreichen Bundesliga-Basketball-Teams ratiopharm ulm. In meinem Briefing stand unter anderem, dass ich doch auch mal die Frage nach der „42“ stellen soll, also der Antwort aller Fragen auf das große Ganze. Ich saß ein paar Minuten am geeigneten Prombt (in etwa: fällt Dir zur berühmten Welt-Antwort 42 etwas Spezielles ein, das eine intelligente Verbindung zwischen 42 und den Ulmer Basketballern herstellt?“, und drückte neugierig die schwarze Pfeiltaste.

 

 

Was nun in Windeseile auf dem Screen erschien, versetzte mich wirklich in freudiges Staunen: „Schön, dass Du fragst“, war da selbstbewusst zu lesen, „da gibt es eine ganz besondere Begebenheit, die die Ulmer Basketballer mit der magischen Zahl 42 verbindet. Die Ulmer Basketball-Legende und vielfacher Nationalspieler Per Günther, der von 2008 bis 2022 für Ulm spielte, trug in seiner aktiven Zeit das Trikot mit der Nummer 42. Nach seinem Rücktritt aus dem Team hat der Club beschlossen, das Trikot mit der 42 zu „retirern“, um ihm so eine ganz besondere Ehre zu erweisen und seinem Andenken eine entsprechende Strahlkraft zu verleihen“. Ich war blitzvergnügt, denn genau eine solche thematisch verschachtelbare Anekdote hatte ich mir insgeheim gewünscht.

Coole Nebengeschichte, dachte ich mir und grübelt schon über einen pointierten Absatz zu dieser Begebenheit in Kombination mit einer Bedeutung der Antwort 42 für die wirtschaftliche Ungewissheit im Profi-Sportbusiness. Während ich das Trikot-Thema gerade in drei Sätze kippen wollte, wurde ich aber doch ein bisschen stutzig. So nach dem Motto: Wenn die 42 wirklich die Ur-Antwort auf alle Fragen ist, mein artifizieller Recherchefreund aber den Transfer zu „Per Anhalter durch die Galaxis“ offensichtlich nicht richtig hinbekommen hat – womöglich mangels Intelligenz? – könnte es vielleicht sein, dass hier einfach eine Geschichte erfunden worden ist, um mir eine Freude zu machen und mich als im Basketball nicht sonderlich bewanderter Sportfan nicht ergebnislos da stehen zu lassen?
Wäre ja bekanntlich nicht die erste AI-Räuberpistole ……

Schon schob ich den Cursor in die Google-Eingabe-Zeile und tippte den Namen Per Günther als Suchauftrag für eine Bilderauswahl. Schwupps, poppten acht scharfe Action-Fotos von Per Günther auf, die ihn allesamt in Action und im Trikot zeigten, dem Trikot mit der Nummer 6.
Jetzt war ich ein zweits Mal sprachlos und stierte auf das KI-Textfeld und promptete umgehend leicht säuerlich: „Sag mal, was hast Du den da gerade verzapft? Niemals hat Per Günther das Trikot mit der Nummer 42 getragen, wie kommst Du dazu?“ ……… wie aus der Pistole reihten sich die Antwortsilben in die Ergebnis-Maske: „Oh, das tut mir sehr leid, wie gut, dass Du nachrecherchiert hast, da lag ich wohl ziemlich daneben. Stimmt, Per Günther war Stammträger des Trikots mit der Nummer sechs.“

Nicht auszudenken, wenn ich diesen Schmarren ungeprüft übernommen hätte und wenig später der Andreas Oettel mit „seinem“ Essay konfrontiert worden wäre, puh, grr, zum fremdschämen …..

Und übrigens: Per Günthers Nummer 6 wurde tatsächlich retired, wie unter anderem  hier zu lesen ist. Aber offenbar liest die KI den Kicker nicht, will aber über Sport mitreden.

Und die Moral von der Gschicht? Die KI hat nicht mal ein Gesicht. Und trotzdem scheint sie es mit dem Gesichtsverlust ähnlich zu handhaben wie Chinesische Landbewohner, die von Touristen nach dem Weg gefragt werden, diesen zumeist aber nicht kennen: Lieber irgendetwas antworten als zuzugeben, dass man eigentlich nichts weiß. Nicht sonderlich smart, finde ich.